Montag, 10. August 2020

Schicht für Schicht auf dem Weg zu weiteren Entdeckungen

 

ein neugieriger Blick durchs Fenster des Alten Pastorenhauses 

In meinem Garten habe ich schon viele Löcher gegraben, um Pflanzen oder Zaunpfähle zu setzen. Wenn ich tief genug grabe, stoße ich auf eine feste Sandschicht, die mit bräunlichen Linien durchsetzt ist. Ich habe mich schon oft gefragt, was diese Linien eigentlich sind und ob diese Schicht für die Pflanzen ein Problem darstellt. Wer hätte aber je gedacht, dass ich mich einmal für den Aufbau der verschiedenen Schichten in einem Loch innerhalb eines Hauses interessieren könnte?

Als nun aber, an sorgfältig ausgewählten Stellen, Probegrabungen im Boden des Alten Pastorenhauses beginnen, treibt mich die Neugierde näher. Die erste Schicht, der Zementestrich, ist schon mit dem Bohrhammer entfernt worden. 

Der Zementestrich wird fachmännisch entfernt 


Nun wird vorsichtig mit der Schaufel Schicht für Schicht des Bodens abgetragen.


Im Bericht für unser „Bautagebuch“ hört sich das so an:

Darunter (also unter der Zementschicht, Anm. d. Autors) folgte eine gemischte Schicht aus Ziegelstücken und Schutt mit Glasscherben, Eisennägeln etc. Unter anderem fand sich eine kleine Keramik-Murmel. Diese Schicht wurde als Grundlage für den Zementfußboden eingebracht.

Die darauf folgende dritte Schicht erstreckte sich vermutlich über die ganze Fläche, war in unserem Abschnitt jedoch nur lückenhaft vertreten.  Es handelt sich um eine kompakte Lehmschicht von etwa 4 – 5 cm Dicke, die als früherer Laufhorizont angesehen werden kann. Sie liegt auf dem Boden-Niveau des Fachwerkbaus von 1535.

Profilausschnitt Ostseite mit Laufhorizont aus Lehm


Bis in 0,4 m Tiefe unter der Zementschicht folgten grausandige und lehmige Einfüllungen, vermischt mit Holzkohlepartikeln und (wenig) glasierter Keramik, darunter auch ein Wandungsstück graublau, unglasiert, aus der Reformationszeit oder älter. 


Profil Westseite - Laufhorizont aus Lehm nur noch ansatzweise rechts oben zu erkennen

Die unteren 30 Zentimeter in unserem Bodenprofil bestehen aus homogenen grauen Sanden, durchsetzt mit rezentem Wurzelwerk, welches zum Teil noch Wasser führt, wie es der dunkle Fleck  ganz unten im Profil zeigt. Etwa in 0,8 Meter Tiefe gehen die grauen Sande in eine marmorierte hell- und dunkelgraue Färbung über.


Profil Westseite - Laufhorizont aus Lehm durchgängig zu erkennen


Ergebnis der Grabung:

 

Und hier das Ergebnis aus meiner Sicht ;-) 


So sieht das von oben aus....


Suche nach tragenden Pfostenlöchern

Pfostenlöcher wurden nicht festgestellt, obwohl der 0,8 x 0,8 m breite Schnitt genau im Bereich eines abgesägten ehemaligen Ständers durchgeführt wurde. Dieses Ergebnis wurde dadurch verifiziert, dass Bernd Kunze und Heinz Riepshoff unter einem Ständer im östlich angrenzenden Raum einen tragenden Findling entdeckten und zum Teil freilegten. Es handelte sich also nicht um einen Pfostenbau.


Ein Findling als Fundament für den Ständer


Suche nach dem Laufhorizont von 1535

Es konnte ein Laufhorizont aus konzentriertem Lehm freigelegt werden, der im Bodenniveau mit der Lage des Findlings übereinstimmt. Dabei handelt sich um eine homogene harte Lehmschicht.


Suche nach der Tiefe des ungestörten „gewachsenen“ Bodens und Feststellung der Höhe der Kulturschichten

Der ungestörte „gewachsene“ Boden beginnt in etwa 0,4 – 0,5 m Tiefe unter heutigem Zementhorizont. Die darüber liegenden Kulturschichten aus sandigen und lehmigen Anteilen mit Fragmenten von Holzkohle und Keramik wurden demgemäß vor Errichtung des Hauses im Jahre 1535 aufgebracht.


Eingangsbereich und Feuerstelle

Sobald die Fachwerkaufbauten entfernt sind, könnte mit relativ wenig Zeit- und Materialaufwand (Mini-Bagger) der dünne Zement-Estrich (mit Schuttschicht) im Bereich des Alten Pastorenhauses komplett entfernt werden, so dass sich mit etwas Glück die Lage des ehemaligen Eingangsbereiches und der Feuerstelle zeigt.


Soweit also der Bericht von Heinz-Dieter Freese, der die Grabungen durchgeführt hat und mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist. Die ganze Geschichte hat natürlich nicht nur mich interessiert! Auch das Fernsehteam von Buten & Binnen war vor Ort und hat ein kurzes Interview mit Heinz-Dieter Freese geführt. Hört doch mal rein: buten & binnen 


Buten & Binnen im Interview mit Herrn Freese 


 

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